Kirchengeschichte
Rund 800 Jahre Glaube im Herzen Herfords
Die Geschichte unserer Pfarrkirche St. Johannes Baptist ist untrennbar mit der Geschichte der Stadt Herford verknüpft – und reicht weit zurück in die Anfänge des mittelalterlichen Ordenswesens. Was heute als bescheidene, aber würdevolle Kirche an der Komturstraße steht, war einst das geistliche Herzstück einer der bedeutendsten Ritterordenskommenden Westfalens.
Die Johanniter-Kommende: Gründung und Blütezeit
Um das Jahr 1231 gründeten die Johanniter – ein geistlicher Ritterorden, der aus den Kreuzzügen hervorgegangen war – am Rand der damaligen Herforder Neustadt eine Kommende. Solche Kommenden dienten dem Orden nicht nur als klösterliche Gemeinschaften, sondern auch als Verwaltungszentren unter der Leitung eines Komturs. Die Anlage gruppierte sich um einen kleinen Innenhof und bestand aus Kirche, Komtureigebäude und Wirtschaftsbauten.
Rund 600 Jahre lang – von etwa 1231 bis 1808 – prägten die Johanniter, später als Malteserorden bekannt, das religiöse und soziale Leben in diesem Teil Herfords. Das ehemalige Komtureigebäude, das heute als Pfarrhaus dient, gilt als das älteste Herforder Steinhaus aus gotischer Zeit: Der 1468 errichtete Bau ist das älteste erhaltene Wohngebäude der Stadt.
Das Kirchengebäude: Architektur im Wandel der Jahrhunderte
Die heutige Pfarrkirche vereint in sich mehrere Bauepochen und erzählt damit sichtbar von ihrer langen Geschichte. Der ältere, östliche Teil geht unmittelbar auf die mittelalterliche Kapelle der Johanniter-Kommende zurück. Dieser Kernbau wurde 1715/16 unter Komtur von Schaesberg grundlegend erneuert und erhielt den barocken Saalbau, der bis heute den Charakter des Innenraums bestimmt.
Ein schönes Zeugnis der Renaissance ist das erhaltene Portal, das dem Ensemble eine besondere architektonische Tiefe verleiht. Um 1890/91 erfuhr die Kirche eine neoromanische Erweiterung auf der Westseite – ein typisches Beispiel für das kirchliche Bauschaffen der Gründerzeit. Von außen gibt sich St. Johannes Baptist mit seinem kleinen Dachreiter zurückhaltend; wer genauer hinsieht, entdeckt in dem Gebäudekomplex die Grundstrukturen der alten Ordensanlage.
Säkularisation und neues Leben als Pfarrkirche
Mit der Säkularisation wurde die Kommende 1810 aufgelöst. Die Kirche wurde fortan als katholische Pfarrkirche weitergeführt – ein Neuanfang, der die Kontinuität des Glaubens in Herford sicherte. Das frühere Wirtschaftsgebäude der Malteserkommende neben der Kirche diente später als Waisenhaus und Schwesternstation und zeugt damit von einer langen karitativen Tradition am Ort.
Im Erzbistum Paderborn verwurzelt
Heute gehört die Gemeinde St. Johannes Baptist zum Pastoralverbund Herford im Erzbistum Paderborn, einem der ältesten Bistümer Deutschlands. Diese tiefe Verwurzelung in einer mehr als tausendjährigen Bistumsgeschichte gibt unserer Gemeinde Halt und Orientierung – und verbindet die Gläubigen von heute mit den vielen Generationen, die vor ihnen an diesem Ort gebetet, gefeiert und Gemeinschaft erlebt haben.
Wer mehr über die Bau- und Ordensgeschichte erfahren möchte, findet weiterführende Informationen bei der Klosterlandschaft OWL sowie im Stadtarchiv Herford.